SAP-Arbeitsmarkt Deutschland im Oktober 2026: Weniger Wechsel, nicht mehr Auswahl

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SAP-Arbeitsmarkt Deutschland Oktober 2026: Einstellungen minus 50 Prozent gegenüber Mai 2022 (LinkedIn Hiring Rate), 2,96 Millionen Arbeitslose, Quote 6,3 Prozent (BA, Oktober), Inflation 3,3 Prozent (Destatis), 105.600 SAP-Stellenanzeigen 2025 (index research)

Monatliche Lesart der Arbeitsmarktzahlen für SAP-Teams, Ausgabe Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland wird halb so viel eingestellt wie auf dem Höhepunkt im Mai 2022 und weniger als im ersten Corona-Lockdown. Im September lagen die Einstellungen laut LinkedIn 5,7 Prozent unter dem August.
  • Weniger Einstellungen heißen nicht mehr Auswahl. Gezählt werden Jobantritte, nicht Arbeitslose: Es wechselt schlicht kaum jemand.
  • Die SAP-Nachfrage läuft gegen den Trend: rund 105.600 ausgeschriebene SAP-Stellen 2025, im ersten Quartal 2026 so viele wie ein Jahr zuvor. Gesucht werden Erfahrene, die sofort liefern.
  • Bei 3,3 Prozent Inflation verliert real, wer bleibt und keine Erhöhung bekommt. Wer einen gefragten SAP-Senior holen will, kommt mit drei Prozent mehr nicht weit.

Jeden Monat lese ich die neuen Arbeitsmarktzahlen mit einer Frage im Kopf: Was heißen sie für Firmen, die SAP-Leute suchen, und für SAP-Leute, die über einen Wechsel nachdenken? Diese Ausgabe stützt sich auf den Arbeitsmarktbericht von LinkedIn für Europa vom 22. Oktober, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für Oktober, die Inflationszahlen von Destatis für September, die SAP-Stellenmarktanalyse von index research und unsere eigenen Marktsichtungen in Ostbayern.

Die Zahlen im Oktober 2026

KennzahlWertQuelle
Einstellungen in Deutschland, September zum Augustminus 5,7 %LinkedIn Hiring Rate
Einstellungsniveau im September (Index, 2016 = 1)rund 0,87, die Hälfte des Höchststands im Mai 2022 (rund 1,75)LinkedIn Economic Graph
Arbeitslose im Oktober2.955.000, Quote 6,3 %, 44.000 mehr als vor einem JahrBundesagentur für Arbeit
Gemeldete Arbeitsstellen im Oktober654.000, 31.000 mehr als vor einem JahrBundesagentur für Arbeit
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im August34,87 Mio., 45.000 weniger als vor einem JahrBundesagentur für Arbeit
Inflation im September3,3 %, ohne Energie und Nahrungsmittel 2,4 %Destatis
SAP-Stellenanzeigen 2025rund 105.600, plus 2,3 %index research
SAP-Stellenanzeigen im 1. Quartal 2026rund 38.600, so viele wie im 1. Quartal 2025index research
Stand: 30. Oktober 2026. LinkedIn-Werte aus der Grafik des Berichts abgelesen und gerundet.

Was die Zahlen sagen: Es wechselt kaum jemand

Tamara Basic Vasiljev, Chefökonomin von LinkedIn für Europa, Nahost und Afrika, verfolgt jeden Monat, wie viele Menschen eine neue Stelle antreten. Deutschland lag im Mai 2022 bei rund 1,75, gemessen am Durchschnitt von 2016. Kein anderes großes Land Europas hatte damals einen so starken Ausschlag nach oben. Im September 2026 lag Deutschland bei rund 0,87. Das ist die Hälfte, und es ist weniger als im ersten Lockdown im April 2020 mit rund 0,96.

Viele lesen so eine Kurve als gute Nachricht für Arbeitgeber: endlich Auswahl. Nur misst die Hiring Rate keine Arbeitslosen, sondern Jobwechsel und Neueinstellungen. Halb so viele Jobantritte heißen nicht, dass doppelt so viele Leute verfügbar sind. Sie heißen, dass kaum noch jemand wechselt.

Für die nächsten Monate erwartet Tamara eher Stabilisierung als Erholung. Als Untergrenze nennt sie Skandinavien, wo die Einstellungen bei rund 60 Prozent des Niveaus vor Corona liegen, weil dort fast jeder, der arbeiten will, schon einen Job hat. Deutschland liegt bei rund drei Vierteln des Niveaus von 2019.

Die Zahlen der Bundesagentur passen ins Bild: 2.955.000 Arbeitslose im Oktober, 44.000 mehr als vor einem Jahr, und 45.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger. BA-Chefin Andrea Nahles sagt es knapp: „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind für eine Besserung am Arbeitsmarkt nach wie vor nicht ausreichend.“

Was das für SAP-Teams heißt

Der SAP-Markt läuft gegen den Trend. Laut index research wurden 2025 rund 105.600 SAP-Stellen ausgeschrieben, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr, und im ersten Quartal 2026 genauso viele wie ein Jahr zuvor. Der Treiber ist das Ende der Standardwartung für SAP ECC 2027: Die Umstellung auf S/4HANA lässt sich nicht beliebig verschieben.

Gesucht wird dabei anders als früher. Stellen für Projektleitungen legten 2025 um 8 Prozent zu, Stellen für SAP-Fachleute mit Berufsausbildung um 58 Prozent. Stellen für Akademiker gingen um 24 Prozent zurück, für Young Professionals um 22 Prozent. Unternehmen suchen Leute, die sofort liefern, nicht Einsteiger zum Anlernen.

Und genau diese Leute sitzen fest. In unseren Marktsichtungen in Ostbayern haben wir im Oktober rund 600 SAP-Profile einzeln gelesen, in den Modulen EWM, ABAP und FI/CO. Von 118 EWM-Profilen in der Region passten 26 auf das gesuchte Profil, alle in einer aktuellen Stelle. Das ist der realistische Pool für eine Besetzung: zweistellig, nicht dreistellig.

Dazu kommt das Geld. Die Preise steigen um 3,3 Prozent, vor allem wegen der Energie, und die Löhne kommen laut LinkedIn-Bericht nicht hinterher. Wer seinen Job behält und keine Erhöhung bekommt, verliert real Kaufkraft. Die einzige Gehaltserhöhung, die der Markt noch zuverlässig bezahlt, ist der Wechsel, und genau der findet kaum statt. Für Arbeitgeber heißt das zweierlei: Die eigenen Leute bleiben gerade, aber nicht unbedingt aus Begeisterung. Und wer einen gefragten SAP-Senior holen will, kommt mit drei Prozent mehr nicht weit.

Was Sie jetzt tun können

  • Den Pool rechnen, bevor Sie suchen. Wie viele Menschen mit dem Profil gibt es im Pendelradius, und wie viele Firmen suchen dieselben? Wie das geht, zeigt unser Artikel Warum SAP-EWM-Stellen monatelang offen bleiben.
  • Direkt ansprechen statt auf Bewerbungen warten. Wer gefragt ist und eine Stelle hat, liest keine Anzeigen. So arbeite ich auch als SAP-Headhunter.
  • Den Radius öffnen. Remote, im Projekt oder aus Osteuropa. Was ein SAP-Berater dort kostet, steht in unserem Tagessatz-Vergleich 2026.
  • Die Guten halten, bevor der Markt dreht. LinkedIn rechnet damit, dass die Einstellungen nicht mehr viel weiter fallen. Wenn wieder eingestellt wird, gehen die Gefragtesten zuerst.

Verlauf: die Zahlen Monat für Monat

Diese Seite wird jeden Monat nach den Zahlen der Bundesagentur fortgeschrieben. Die Tabelle wächst mit.

AusgabeEinstellungen (Index, 2016 = 1)ArbeitsloseInflation
Oktober 2026rund 0,872.955.0003,3 %
Quellen: LinkedIn Economic Graph (Vormonat, abgelesen, gerundet), Bundesagentur für Arbeit (Ausgabemonat), Destatis (Vormonat).

Was wir im November beobachten

Die nächste Ausgabe erscheint nach den BA-Zahlen am 27. November. Drei Fragen nehme ich mit: Findet die Hiring Rate in Deutschland ihren Boden? Bleibt die Zahl der Arbeitslosen im Herbst unter drei Millionen? Und hält die SAP-Nachfrage ihr Niveau, während der Rest des Marktes schwächer wird?

Häufige Fragen zum SAP-Arbeitsmarkt

Wie ist die Lage auf dem SAP-Arbeitsmarkt im Herbst 2026?

Gespalten. Insgesamt wird in Deutschland halb so viel eingestellt wie 2022, knapp drei Millionen Menschen sind arbeitslos. SAP-Stellen halten sich dagegen auf hohem Niveau: rund 105.600 Ausschreibungen 2025 und im ersten Quartal 2026 so viele wie im Vorjahr. Gefragt sind erfahrene Projektleute, Einsteiger haben es schwer.

Gibt es einen Fachkräftemangel bei SAP?

Bei erfahrenen SAP-Fachleuten ja, bei Einsteigern kaum. Stellen für Projektleitungen stiegen 2025 um 8 Prozent, Stellen für Akademiker sanken um 24 Prozent. Knapp ist, wer Modulwissen, Projekterfahrung und Deutsch mitbringt.

Warum bewerben sich so wenige SAP-Berater auf offene Stellen?

Weil kaum jemand wechselt. Die Einstellungen in Deutschland liegen bei der Hälfte von 2022. Gefragte SAP-Leute haben einen Job und suchen nicht aktiv. Sie müssen direkt angesprochen werden, mit einem Grund, der stärker ist als ein paar Prozent mehr Gehalt.

Was misst die LinkedIn Hiring Rate?

Den Anteil der LinkedIn-Mitglieder, die in einem Monat eine neue Stelle antreten, als Index mit dem Durchschnitt von 2016 als 1. Sie zählt Bewegung am Arbeitsmarkt, keine offenen Stellen und keine Arbeitslosen.

Wann erscheinen die nächsten Arbeitsmarktzahlen?

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht die Zahlen für November am 27. November und für Dezember am 5. Januar 2027, jeweils um 10 Uhr. Diese Seite wird danach jeweils fortgeschrieben.

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Quellen

  • LinkedIn Economic Graph, EMEA Labour Market Outlook, Oktober 2026, von Tamara Basic Vasiljev, veröffentlicht am 22.10.2026 auf LinkedIn. Alle Ausgaben: economicgraph.linkedin.com
  • Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt im Oktober 2026, Presseinfo Nr. 41 vom 30.10.2026
  • Destatis, Inflationsrate im September 2026 bei +3,3 %, Pressemitteilung Nr. 364 vom 13.10.2026
  • index research im Auftrag des IT-OnlineMagazins, SAP-Stellenmarktanalyse 2025 und 1. Quartal 2026, veröffentlicht am 02.06.2026
  • Eigene Marktsichtungen TISS Partners in Ostbayern (EWM, ABAP, FI/CO), Oktober 2026

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