S/4HANA-Migration 2026: Warum 50 % offen nicht 50 % Arbeit heißt

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Andrei Vlad im Video zum SAP-Arbeitsmarkt 2026, Text: Einstellungen halbiert seit 2022

„Herr Vlad, ganz schlechtes Timing haben Sie erwischt. Ich bin gerade dabei, das Unternehmen zu verlassen.“

Diesen Satz höre ich seit ein paar Monaten auffällig oft. Im Rahmen unserer Kundenakquise schreiben wir regelmäßig Entscheider aus der SAP- und Data-Welt an, und immer öfter kommt die Gegenfrage, ob ich nicht ein passendes Mandat hätte. Mal haben die Leute eine Abfindung angenommen, mal wurde ihnen gekündigt, mal steckt ihr Bereich mitten in einer Restrukturierung. Der Ausgang ist immer gleich.

Solche Gespräche gab es schon immer. Neu ist, wie oft sie passieren. Und in der SAP-Welt fühlt es sich besonders seltsam an, weil wir jahrelang Rückenwind von der S/4HANA-Migration hatten. Im Video ordne ich ein, was dahintersteckt, hier steht alles noch einmal zum Nachlesen, mit Quellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) laufen noch 54 % der befragten Unternehmen auf ECC. Die großen Konzerne haben die S/4HANA-Migration aber weitgehend hinter sich.
  • Wer noch umstellt, ist meist Mittelstand und setzt auf Public Cloud und Clean Core. Das heißt kleinere Projekte und weniger externe Berater. Den Beratungen fehlen Projekte, nicht Leute.
  • Auch der Gesamtmarkt schwächelt: Laut LinkedIn wird in Deutschland nur noch halb so oft eingestellt wie Anfang 2022, ein Boden ist noch nicht in Sicht.

Die S/4HANA-Welle hat große Teams gebaut

SAP löst sein altes ERP-System ECC durch S/4HANA ab. Das zwingt mittel- und langfristig fast jeden Kunden zur Umstellung, ob als Greenfield, Brownfield oder Bluefield. So ein Projekt stemmt kaum ein Kunde allein. Er holt sich einen SAP-Partner oder ein Einführungshaus an Bord, das ihn von der alten Landschaft in die neue begleitet.

Über die Jahre haben diese Häuser deshalb sehr große Teams aufgebaut, die genau solche Migrationen stemmen können. Diese Teams haben heute nicht mehr genug zu tun.

50 % offen heißt nicht 50 % Arbeit

Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Laut DSAG-Investitionsreport 2026 laufen noch 54 % der befragten Unternehmen produktiv auf ECC. Die Standardwartung endet Ende 2027, gegen einen Aufschlag von zwei Prozentpunkten gibt es Extended Maintenance bis Ende 2030. Von den Unternehmen, die noch umstellen wollen, peilen laut DSAG nur 37 % Ende 2027 an, knapp die Hälfte plant bis Ende 2030.

Entscheidend ist, wer da noch fehlt. Die großen Konzerne mit vielen Eigenentwicklungen und komplexen SAP-Landschaften haben die Umstellung zum Großteil hinter sich. Auf die 2.000 größten Unternehmen der Welt entfallen laut PAC 53 % der SAP-Ausgaben, und dort ist die Migration weit fortgeschritten. Wer noch umstellt, ist mehrheitlich Mittelstand. Dort geht der Trend zu Public Cloud, Clean Core und Standard. Das heißt kleinere Projekte, weniger externe Unterstützung und weniger Leute pro Projekt.

Selbst die Studie, die SAP bei PAC in Auftrag gegeben hat, erwartet, dass das Wachstum bei Einführungsleistungen für S/4HANA bis 2030 von rund 21 % auf rund 5 % fällt. 50 % nicht umgestellt heißt deshalb nicht, dass 50 % der Arbeit noch vor uns liegt. Den Beratungen fehlen Projekte, nicht Leute.

Der Gesamtmarkt zeigt in dieselbe Richtung

Liniendiagramm der LinkedIn Hiring Rate von 2015 bis April 2026: Deutschland steigt bis Anfang 2022 auf 1,75 und fällt bis April 2026 auf 0,88, Frankreich, Spanien und Großbritannien liegen bei rund 0,75.
LinkedIn Hiring Rate, nachgezeichnet nach LinkedIn Economic Graph (Juli 2026)

Laut LinkedIn wird in Deutschland nur noch halb so oft eingestellt wie Anfang 2022. Damals war die Party nach Corona, da hat jeder wie verrückt eingestellt. Seitdem geht die Kurve stetig nach unten, inzwischen liegt sie tiefer als vor Corona, und ein Boden ist noch nicht in Sicht. Deutschland ist damit nicht allein: Frankreich, Spanien und Großbritannien sind ähnlich stark gefallen.

Die übrigen Zahlen passen dazu. Indeed zählt 39 % weniger Stellen als zum Hoch im Frühjahr 2022. Im Juli waren über drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Bei den IT-Fachkräften waren es schon im März über 61.000, so viele wie nie.

Wie sich der SAP-Stellenmarkt Monat für Monat entwickelt, schreibe ich in unserem Bericht zum SAP-Arbeitsmarkt in Deutschland fort.

Warum man davon so wenig liest

Abfindung statt Kündigung, Einstellungsstopp statt Entlassung: Das macht keine Schlagzeilen wie ein Konzern, der 10.000 Leute entlässt. Für mich ist ein anderes Signal stärker. Wenn so viele Leute, die bisher eingestellt haben, selbst ihren Job verlieren, ist das kein Wackler mehr. Das ist strukturell.

Die KI macht Kunden vorsichtig

Dazu kommt die KI. Der erfahrenste SAP-Berater hat damit gerade mal zwei, drei Jahre Erfahrung, das Thema ist für alle neu. Viele Kunden wissen deshalb nicht, wie viel menschliche Kapazität sie künftig noch brauchen. Projekte werden verschoben, Neues wird erst im Kleinen ausprobiert. Solange sich dieser Staub nicht legt, warten viele lieber ab, statt zu investieren.

Warum es sich anders anfühlt als 2009

Wer die Finanzkrise 2008 und 2009 erlebt hat, fühlt sich vielleicht an damals erinnert. Ich traue dem Vergleich aber nicht ganz. Damals gab es einen lauten Knall: Der DAX verlor zwischen Juli 2007 und März 2009 rund 55 %. Den Arbeitsmarkt in Deutschland hat vor allem die Kurzarbeit gehalten, im Mai 2009 waren rund 1,4 Millionen Menschen in Kurzarbeit.

Heute sehe ich keinen solchen Einbruch an den Börsen, aber der Arbeitsmarkt bröckelt leise. Gerade weil der laute Knall fehlt, wird die Lage leicht unterschätzt.

Was ich Kandidaten gerade sage

Viele, die mir gerade schreiben, suchen verzweifelt eine neue Stelle. Denen sage ich immer dasselbe: Es liegt nicht an euch. Wir sind in einem Arbeitgebermarkt, der Markt hat sich in den letzten Jahren gedreht.

Was jetzt hilft: ein langer Atem, Flexibilität bei Vertragsart, Region und Rolle und ein offener Blick, etwa für KI oder für Aufgaben näher am Geschäft. Wer mit der Strömung schwimmt statt dagegen, hat bessere Chancen.

Geschichte reimt sich

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Gerade reimt sie sich ziemlich laut. Irgendwann dreht der Markt wieder, und vielleicht geht die Kurve dann so steil nach oben wie nach Corona. Wer dann gut vorbereitet und mit offenem Blick dabei ist, hat die besten Chancen, vom nächsten Aufschwung zu profitieren.

Ihr müsst gerade eine SAP-Rolle besetzen und wollt wissen, was der Markt dafür in eurer Region hergibt? Schreibt mir.

Häufige Fragen zur S/4HANA-Migration

Wie viele SAP-Kunden sind noch nicht auf S/4HANA umgestellt?

Laut DSAG-Investitionsreport 2026 laufen noch 54 % der befragten Unternehmen produktiv auf ECC. Die großen Konzerne sind größtenteils umgestellt, offen ist vor allem der Mittelstand.

Bis wann muss die S/4HANA-Migration abgeschlossen sein?

Die Standardwartung für SAP ECC endet Ende 2027. Gegen einen Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die Wartungsgebühr gibt es Extended Maintenance bis Ende 2030. Für große, komplexe Landschaften bietet SAP zusätzlich die „SAP ERP, private edition, transition option“ bis Ende 2033 an. Dafür muss das System bis Ende 2030 in SAPs Private Cloud umziehen, und die Gebühren liegen höher.

Warum haben SAP-Beratungen trotz offener Migrationen weniger zu tun?

Weil die großen Projekte der S/4HANA-Migration gelaufen sind. Auf die 2.000 größten Unternehmen der Welt entfallen laut PAC 53 % der SAP-Ausgaben, und dort ist die Migration weit fortgeschritten. Der Mittelstand stellt eher auf Public Cloud, Clean Core und Standard um. Das heißt kleinere Projekte mit weniger externen Beratern. PAC erwartet, dass das Wachstum bei S/4HANA-Einführungsleistungen bis 2030 von rund 21 % auf rund 5 % fällt.

Wie entwickelt sich der SAP-Arbeitsmarkt 2026?

Er stagniert. Laut index research gab es im ersten Quartal 2026 in Deutschland rund 38.600 SAP-Stellenanzeigen, praktisch so viele wie ein Jahr zuvor. 2024 lag das Plus noch bei 6,5 %, 2025 bei 2,3 %. Gleichzeitig waren im März über 61.000 IT-Fachkräfte arbeitslos gemeldet, so viele wie nie. Wie sich der SAP-Stellenmarkt Monat für Monat entwickelt, steht in unserem Bericht zum SAP-Arbeitsmarkt in Deutschland.

Stand: November 2026. Quellen: LinkedIn Economic Graph, Hiring Rate (Tamara Basic Vasiljev, Juli 2026) · Indeed Hiring Lab, Arbeitsmarkt Update Q2 2026 · Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt im Juli 2026 · index research im Auftrag des IT-Onlinemagazins, SAP-Stellenmarkt, Juni 2026 · DSAG-Investitionsreport 2026 · PAC im Auftrag von SAP, SAP-Partnerökosystem im Strukturwandel, Mai 2026 · STOXX, 36 Jahre DAX · Wissenschaftliche Dienste des Bundestags, Kurzarbeit


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