Warum SAP-EWM-Stellen monatelang offen bleiben — und was dann hilft
Wenn eine SAP-EWM-Stelle seit Monaten offen ist, liegt das selten an der Stellenanzeige. Es liegt daran, dass im realistischen Umkreis zu wenige Menschen mit diesem Profil leben — und dass deutlich mehr Unternehmen um genau diese Menschen konkurrieren. Bei einer Rolle im Münsterland standen 55 möglichen Kandidaten über 350 offene Stellen gegenüber. Dieser Artikel zeigt, wie sich das vor der Suche messen lässt und welche Wege bleiben, wenn Suchen allein nicht reicht.
Der Fall
Ein Kunde aus dem Münsterland wollte zwei Rollen im Bereich SAP EWM besetzen — Extended Warehouse Management —, eine im Fachbereich und eine in der IT. Beide Ausschreibungen liefen bereits einige Monate. Die Anzeigen waren sauber, das Gehalt marktgerecht, Homeoffice-Anteil vorhanden. Es kamen trotzdem kaum Bewerbungen.
Bevor ich ein Mandat in einer so engen Nische annehme, screene ich den Markt. Nicht als Verkaufsargument, sondern weil die Antwort darüber entscheidet, ob eine klassische Suche überhaupt trägt — und welche Alternativen von Anfang an mit auf den Tisch gehören. Das Screening besteht aus zwei Zahlen.
Erste Zahl: Wie viele Kandidaten gibt es überhaupt?
Die Angebotsseite lässt sich in wenigen Minuten abschätzen. Suche über LinkedIn, Region Ennigerloh, Umkreis rund 50 Kilometer, Stichworte „EWM“ und „Extended Warehouse Management“.
Ergebnis: 55 Profile.
Das ist die großzügige Zahl. Sie enthält jeden, der EWM irgendwo im Profil stehen hat — auch als Nebenqualifikation, auch bei Beratungshäusern, auch bei Menschen, die vor drei Monaten erst gewechselt sind. Wer davon für eine Inhouse-Rolle mit Präsenzanteil tatsächlich in Frage kommt und gleichzeitig wechselbereit ist, ist ein Bruchteil davon.
Zweite Zahl: Wie viele Unternehmen suchen dieselben Leute?
Dieselbe Region, dieselbe Distanz, diesmal auf der Nachfrageseite: Suche auf Stepstone nach SAP EWM.
Ergebnis: über 350 Treffer.
Auch diese Zahl ist unscharf. Nicht jede Anzeige ist aktuell, manche Unternehmen suchen deutschlandweit und tauchen deshalb mit auf. Aber die Größenordnung ist eindeutig, und sie ist das eigentliche Ergebnis: Auf jeden denkbaren Kandidaten kommen ungefähr sechs Unternehmen, die ihn ebenfalls wollen.
Was diese Relation für eine Besetzung bedeutet
Drei Dinge folgen daraus.
Der Kunde hat nichts falsch gemacht. Eine gute Anzeige ändert an einem Verhältnis von 55 zu 350 nichts. Wer in dieser Lage an der Formulierung feilt, optimiert an der falschen Stelle. Der Fachkräfteengpass in IT-Berufen ist in solchen Spezialrollen kein Schlagwort, sondern rechenbar.
Über Anzeigen kommt hier niemand. Wer in einem so gefragten Modul sitzt, sucht nicht aktiv. Diese Menschen muss man einzeln ansprechen — verdeckter Bewerbermarkt, nicht Bewerbungseingang.
Und ein Suchmandat ist schneller durch, als man denkt. Ob ein Personalberater nun 35, 40 oder 60 Profile anschreibt, spielt keine Rolle: Der Pool ist endlich. Nach zwei bis drei Wochen ist er bearbeitet. Wer danach weiter „sucht“, sucht nicht mehr — er wartet.
Genau hier trennt sich, ob eine Besetzung gelingt oder ob die Stelle auch in sechs Monaten noch offen ist. Denn wenn von den 55 niemand wechseln will, ist die Frage nicht mehr, wer besser sucht. Die Frage ist, was sich an der Rolle ändert.
Vier Wege, wenn der Kandidatenpool durch ist
| Weg | Wann er trägt | Wo er scheitert |
|---|---|---|
| Intern umschulen | Es gibt jemanden mit langjähriger SAP-WM-Erfahrung im Haus | Braucht Monate und die Bereitschaft, währenddessen eine Lücke auszuhalten |
| Umzug | Gehaltspaket und Lebensumstände passen wirklich zusammen | Sehr kleine Zielgruppe; verlassen kann man sich darauf nicht |
| Rolle neu schneiden | Der Fachbereich übernimmt die Präsenz im Lager, die IT-Seite wird getrennt | Setzt voraus, dass man die Prozessverantwortung sauber aufteilen kann |
| Remote / Nearshoring | Für den ausgelagerten IT-Teil, mit einem Brückenkopf vor Ort | Nicht für die Rolle, die physisch im Lager stehen muss |
Der dritte und vierte Weg hängen zusammen und sind in der Praxis der wirksamste Hebel. Bei SAP EWM ist ein Teil der Arbeit ortsgebunden: Wer die Lagerprozesse verantwortet, muss sie vor Ort sehen können. Aber das gilt eben nur für einen Teil. Deckt der Fachbereich diese Präsenz ab, lässt sich der technische Teil der Rolle trennen — und dann öffnet sich ein völlig anderer Kandidatenmarkt: komplett remote, fest angestellt oder als Freelancer, auch aus Polen, Rumänien oder Tschechien.
Diese Gespräche muss man allerdings früh führen. Ein Mandat blind zu verkaufen, dessen Markt es nicht hergibt, hilft niemandem.
Die eigentliche Erkenntnis
Eine Stelle, die seit Monaten offen ist, hat kein Suchproblem. Da steht eine Entscheidung aus.
Ein Personalberater kann Ihnen die 55 holen. Einen 56. kann Ihnen niemand bauen. Alles Weitere — mehr zahlen, jemanden aufbauen, die Rolle teilen, den Standort aus der Gleichung nehmen — ist eine Entscheidung, die im Unternehmen fällt, nicht beim Dienstleister. Je später sie fällt, desto teurer war das Warten.
Für Ihre eigene Rolle
Dasselbe Screening lässt sich für jede Rolle und jede Region machen — SAP IS-U bei Versorgern, SAP PP in der Fertigung, SAP SD in der Lebensmittelindustrie. Wenn Sie gerade eine solche Position besetzen: Schreiben Sie mir Rolle und Postleitzahl, ich lasse dieselben zwei Suchen laufen und schicke Ihnen die Zahlen.
Häufige Fragen
Warum bekomme ich keine Bewerbungen auf meine SAP-Stelle? In engen SAP-Modulen ist der Kandidatenmarkt im Pendelradius meist zweistellig, die Zahl der konkurrierenden Ausschreibungen dreistellig. Passive Kanäle produzieren dann keine Bewerbungen — unabhängig von der Qualität der Anzeige.
Wie lange dauert die Besetzung einer SAP-EWM-Stelle? Die Direktansprache des verfügbaren Pools dauert in einer solchen Region zwei bis drei Wochen. Danach entscheidet nicht mehr die Suchdauer, sondern ob der Rollenzuschnitt verändert wird.
Kann man SAP EWM remote oder aus dem Nearshoring besetzen? Den prozessverantwortlichen Teil in der Regel nicht — er braucht Präsenz im Lager. Trennt man die Rolle und deckt die Präsenz aus dem Fachbereich ab, lässt sich der IT-Teil remote oder nearshore besetzen.
Was ist der Unterschied zwischen SAP WM und SAP EWM? SAP WM ist die ältere Lagerverwaltung, SAP EWM der Nachfolger mit deutlich größerem Funktionsumfang. Menschen mit langjähriger WM-Erfahrung sind deshalb die realistischste interne Aufbau-Option.

