Rechtsform-Revolution? Was die EU Inc. für Ihr Nearshoring in Rumänien bedeutet

EU Inc. & IT Nearshoring: Was die Davos-Ankündigung für deutsche Tech-Firmen in Rumänien bedeutet

Während die Schlagzeilen aus Davos gestern von Zöllen, Verteidigungsausgaben und neuen Allianzen dominiert wurden, hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fast beiläufig eine Bombe platzen lassen, die für den europäischen Mittelstand wichtiger sein könnte als jedes Handelsabkommen: Die Ankündigung der EU Inc. (oder auch „28. Regime“).

Für die meisten Nachrichtensender war es eine Randnotiz. Für mich – und für jeden CFO oder CTO, der IT-Teams über Grenzen hinweg aufbaut – ist es potenziell der größte Hebel der letzten zehn Jahre.

Was ist die „EU Inc.“ eigentlich?

Hinter dem Marketing-Begriff verbirgt sich das sogenannte 28. Regime. Die Idee ist simpel, aber radikal: Neben den 27 nationalen Rechtsformen (wie der deutschen GmbH, der rumänischen SRL oder der französischen SAS) soll es künftig eine europäische Rechtsform geben.

Das Versprechen aus Brüssel klingt verlockend:

  • Gründung in 48 Stunden: Komplett digital, ohne Notar-Marathon.
  • Einheitliches Regelwerk: Ein Gesellschaftsvertrag, der in Berlin genauso gilt wie in Bukarest oder Lissabon.
  • Investoren-Freundlichkeit: Standardisierte Beteiligungsverträge, die Cross-Border-Investitionen massiv vereinfachen.

Der Game-Changer für IT Nearshoring in Rumänien?

In meiner fast 20-jährigen Erfahrung mit IT Nearshoring in Rumänien habe ich viele Unternehmen begleitet. Das Szenario ist fast immer gleich: Ein deutsches Tech-Unternehmen braucht Skalierbarkeit, die es zu Hause nicht findet, und entscheidet sich für einen Hub in Cluj, Timișoara oder Bukarest.

Bisher bedeutete das:

  1. Gründung einer rumänischen SRL (GmbH-Äquivalent).
  2. Lokale Anwälte für die Übersetzung und Anpassung der Gesellschafterverträge.
  3. Komplexe Governance-Strukturen, um die deutsche Holding mit der rumänischen Tochter rechtssicher zu verknüpfen.

Hier kommt die EU Inc. ins Spiel:
Stellen Sie sich vor, Ihre Holding in München und Ihr Entwicklungszentrum in Cluj laufen auf demselben „rechtlichen Betriebssystem“. Keine Friktion mehr bei Kapitalerhöhungen, keine unterschiedlichen Haftungsregeln für Geschäftsführer, keine teuren rechtlichen Brückenbauten zwischen zwei nationalen Gesetzen.

Für Software-Entwicklungsteams und Shared Service Center, die agil wachsen müssen, wäre das eine massive Beschleunigung. Es senkt die Hürde für den Markteintritt drastisch.

Der Realitäts-Check: Die operative Hülle vs. der regulatorische Kern

Bevor wir in Euphorie verfallen, müssen wir aber auf das Kleingedruckte schauen. Die EU Inc. harmonisiert das Gesellschaftsrecht (Corporate Law). Sie harmonisiert nicht die operative Realität vor Ort.

Das bedeutet konkret:

  • Arbeitsrecht bleibt national: Ihr Team in Rumänien unterliegt weiterhin rumänischem Arbeitsrecht (Kündigungsfristen, Feiertage, Sozialabgaben).
  • Steuern bleiben national: Die attraktive Besteuerung für IT-Mitarbeiter in Rumänien oder die Körperschaftssteuer-Regelungen bleiben bestehen – müssen aber auch lokal abgewickelt werden.
  • Compliance bleibt lokal: Arbeitssicherheit und lokale Meldepflichten ändern sich durch die Rechtsform der Firma nicht.

Ich sage meinen Kunden immer: Nearshoring ist People Business, kein Legal Business. Die rechtliche Hülle mag durch die EU Inc. einfacher werden (was großartig ist!), aber die kulturelle Integration, das Management der Teams und die operative Exzellenz bleiben die eigentliche Aufgabe.

Too little, too late – oder der Startschuss?

Ist das alles nur heiße Luft aus Davos? Kritiker sagen, die Initiative kommt Jahre zu spät. US-Startups skalieren seit Jahrzehnten in einem einheitlichen Markt (Delaware Inc.), während wir in Europa 27 Silos verwalten.

Aber meine Einschätzung ist vorsichtig optimistisch. Der Druck auf Europa ist durch die technologische Dominanz der USA und Chinas so groß geworden, dass Kleinstaaterei zum existenziellen Risiko wird. Die EU Inc. ist der Versuch, endlich echte Skaleneffekte im Binnenmarkt zu ermöglichen.

Für deutsche Unternehmen, die über Nearshoring nachdenken, ist die Botschaft klar: Die administrativen Hürden werden sinken. Der strategische Vorteil, Zugriff auf den riesigen Talentpool in Osteuropa zu haben, wird einfacher zu realisieren sein.

Fazit: Jetzt die Weichen stellen

Ob als klassische GmbH/SRL-Struktur oder bald als EU Inc. – der Bedarf an hochqualifizierten IT-Fachkräften wird nicht sinken. Wer jetzt wartet, bis Brüssel alle Details geklärt hat, verliert wertvolle Zeit im Wettlauf um die besten Talente.

Die EU Inc. wird kommen. Aber die besten Entwickler in Rumänien warten nicht auf Gesetzesentwürfe – sie suchen jetzt nach spannenden Projekten.

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