Wohnen erklärt IT Nearshoring besser als jedes Prozess-Framework: 47% vs. 94%.
IT Nearshoring scheitert selten an Code. Häufig scheitert es an Erwartungen.
Deshalb lohnt sich ein Blick auf eine Zahl, die erstmal nichts mit IT zu tun hat: Wohneigentum.
In der EU lag Rumänien 2024 bei rund 94% Wohneigentum, während Deutschland bei rund 47% lag.
Gleichzeitig ist Deutschland EU‑weit das „Mieterland Nr. 1“: 52,8% lebten 2024 zur Miete, in Rumänien waren es nur 5,7%.
1945 vs. 1989: Warum das bis heute wirkt
Die Unterschiede entstehen nicht „zufällig“, sondern haben historische Pfade.
Deutschland musste nach 1945 schnell Wohnraum schaffen; Mieten wurde über Jahrzehnte zum normalen, sicheren Modell (inkl. Regeln und Schutzmechanismen).
Rumänien erlebte 1989 einen Systembruch; danach wurde Eigentum für viele zur greifbaren, persönlichen Form von Sicherheit – weniger abhängig von Institutionen.
Diese zwei Prägungen wirken bis heute: Was sich „sicher“ anfühlt, ist nicht überall gleich.
Und genau dieses Sicherheitsgefühl kommt später mit ins Projektteam.
Was IT Nearshoring bedeutet
IT Nearshoring heißt: Unternehmen bauen IT‑Kapazität in einem nahen Land auf, wie z.B. Rumänien oder Polen statt weit entfernt zu sourcen.
Dadurch arbeiten Teams meist in ähnlichen Zeitzonen und stimmen sich schneller ab.
Außerdem lässt sich ein Nearshoring‑Team oft enger integrieren als bei klassischem Offshoring, weil Kommunikation und Reisewege einfacher bleiben.
Warum die Wohneigentumsquote relevant ist
Hinter „47%“ und „94%“ steckt nicht nur ein Immobilienmarkt, sondern auch eine Gewohnheit.
In Deutschland entsteht Sicherheit oft über Regeln, Prozesse und Dokumentation – also über das System.
In Rumänien entsteht Sicherheit oft über Kontrolle im eigenen Umfeld und über belastbare Beziehungen.
Kurz gesagt: In DE gibt der Prozess Sicherheit. In RO gibt die Beziehung Sicherheit.
Diese Logik ist selten bewusst, wirkt aber im Projekt jeden Tag.
So zeigt sich das im Projekt (DE‑Kunde, RO‑Team)
Ein deutscher Kunde startet gern mit Klarheit: Tickets, Roadmap, Abnahmewege.
Dazu kommt häufig der Wunsch: „Bitte schriftlich, dann ist es eindeutig.“
Das rumänische Projektteam arbeitet damit – und liefert auch.
Parallel klärt das Team aber etwas anderes: Wer entscheidet wirklich? Wer ist erreichbar? Was passiert, wenn sich der Scope ändert?
Genau hier entsteht Reibung, weil beide Seiten mit unterschiedlichen „Sicherheits-Garantien“ rechnen.
Der Kunde setzt auf Dokumentation, während das Team zusätzlich einen belastbaren Draht zur Entscheidungsebene sucht.
4 Regeln, die IT Nearshoring sofort besser machen
Damit daraus kein stilles Ping‑Pong wird, helfen ein paar einfache Hebel:
- Erstens: Benenne 1–2 echte Ansprechpartner auf Kundenseite (Menschen, keine Rollen).
- Zweitens: Baue ein kurzes Weekly ein, damit Änderungen normal werden: „Was hat sich geändert?“ und „Was heißt das für Termin und Scope?“
- Drittens: Nutze Demos oder kurze Entscheidungs-Calls, damit „Beziehung“ offiziell im Setup vorkommt – nicht nur informell.
- Viertens: Definiere Eskalation als Service („15 Minuten klären“), statt als Alarmanlage („wer ist schuld?“).
Dadurch bekommen beide Seiten, was sie brauchen: Struktur und Sicherheit.
Außerdem sinkt der Stress im Projekt spürbar, weil „Neu abstimmen“ kein Gesichtsverlust mehr ist.
Warum das der Kern von IT Nearshoring ist
IT Nearshoring ist nicht nur eine Einkaufsentscheidung. Es ist Teamdesign.
Wenn Prozesse gut sind, entsteht Planbarkeit.
Wenn Beziehungen gut sind, entsteht Geschwindigkeit.
Zum Schluss ein Realitäts-Check: In Deutschland beruhigt ein sauberes Ticket. In Rumänien beruhigt ein kurzer Anruf. Am besten hat ein Projekt beides – Ticket‑Hygiene und eine Handynummer.


